Projektgarten

Was zuerst mit dem Projekt „Streuobstgarten“ begann, hat sich inzwischen zu einem Projektgarten mit mehreren Schwerpunkten ausgebaut. Das war ursprünglich nicht so geplant, hat sich aber als eine sinnvolle und logische Entwicklung ergeben, bedingt durch die für Kleingartenvereine zukunftsweisenden Vorgaben: sich ökologisch auszurichten und kommunal zu vernetzen, beides unter der Klammer eines öffentlichen Bildungsauftrags.

Die hinzugekommenen Projekte „Wildbienen“ und „Themenbeete“ sind damit in diesem Sinne eine wichtige und weiterführende Ergänzung des Anfangsprojekts „Streuobstgarten“ und damit auch richtungsweisend für eine zukünftige Kleingartenpolitik.

Die Ersetzung des bisherigen Titels „Streuobstwiese“ durch den Titel „Projektgarten“ ist deshalb folgerichtig.

1. Projekt Streuobstgarten

Wie alles mit dem Projekt eines Streuobstgartens begann

Wie so oft geht die Initiative für notwendige Veränderungen von engagierten Einzelpersonen in Krisensituationen aus. So war das auch in unserem Kleingartenverein. In 2008 sollte unser Verein in seiner Gesamtfläche von immerhin 70 Hektar als Bauland ausgewiesen werden. Dies konnte mit viel Engagement verhindert werden. In Folge kam es zu verschiedenen Neubesetzungen einiger Ämter und zur Suche nach zeitgemäßen Ausrichtungen, welche der Existenzsicherung unseres Vereins dienten. Die Zeichen der Zeit wurden von uns erkannt und in ersten Schritten begannen wir, mehr ökologische Aspekte in unser Kleingartenleben zu integrieren und uns mit den umgebenden Sozialstrukturen der Kommune zu vernetzen.

Als besonderer Glücksfall galt der Umstand, dass unsere Anlage, begründet durch seine Historie als altes Grabeland, über große Flächengärten mit einem sehr hohem Bestand an alten und immer noch nicht gänzlich bestimmten Streuobstbäumen verfügt.

Hierin begründete sich auch der Ursprung des Projekts. In Kooperation mit dem Gartenbaumeister der nahen Waldorfschule, ein ausgewiesener Pomologe, waren und sind wir immer noch dabei, die alten teils schon vergreisten Bäume durch Schnittmaßnahmen zu pflegen und nicht mehr zu rettende seltene Sorten alter Bäume durch Veredelung zu erhalten. Zur Routine sind unsere gemeinsamen Apfelsammel- und -kelteraktionen mit der Waldorfschule geworden, und offensichtlich hat sich auch in der Wahrnehmung vieler Pächter etwas getan: die alten Bäume sind von ihrem Wert her erkannt und können nicht mehr ungefragt als störender “alter Ballast“ entfernt werden.

Mit der Umsetzung des Vorhabens, durch Neupflanzungen alter Sorten einen „richtigen“ Streuobstgarten in unserer Anlage einzurichten, hat die Thematik aber erst so an Fahrt gewonnen, dass sie sich im Bewusstsein der Vereinsangehörigen verankern konnte.

Dieser Prozess kostete allerdings sehr viel Durchhaltevermögen, galt es doch immer wieder, von der Sinnhaftigkeit dieses Projektes als Zukunftsinvestition zu überzeugen. Widerstände gab es anfangs vor allem in Bezug auf die ausgefallenen Pachteinnahmen, die es zu kompensieren galt.

Diese positive Entwicklung war und ist vor allem auf das Engagement der beiden aktuellen Fachberater des Vereins zurückzuführen.

Die Entwicklung bis heute und zukünftige Ziele

Auf vorgegeben Strukturen zweier bisher genutzten Kleingartenflächen eine Streuobstwiese einzurichten, unterscheidet sich wesentlich von anderen Streuobstprojekten. Es galt daher, Überflüssiges zu entfernen und die Fläche so umzugestalten, damit sie den Kriterien einer Streuobstwiese genügen konnte. Als ein auf Jahrzehnte angelegtes Langzeitprojekt braucht es aber einen langen Atem und eine Vielzahl von notwendigen Maßnahmen.

Auf der Fläche von zwei zusammen liegenden Kleingärten (1231 m²) hatten wir schon vor Jahren in Zusammenarbeit mit der Waldorfschule und im Einverständnis mit den vorgegebenen Pächtern begonnen, erste Streuobstbäume zu pflanzen. Durch das bestehende Pachtverhältnis waren allerdings Grenzen gesetzt, die erst durch eine Kündigung aufgehoben werden konnten. Erst mit der Bewilligung eines Förderantrags der Niedersächsischen BINGO-Umweltstiftung war allerdings der Rahmen gesetzt, der das Projekt auf solide Beine stellte.

Das Projekt „Errichtung eines Streuobstgartens im Kleingartenverein“ wurde am 29.07.2015 für die restliche Laufzeit bis 30.04.2015 mit dem Festfinanzierungsbetrag von 1.300 Euro gefördert. Der Verein hatte sich damit für die nächsten 20 Jahre verpflichtet, die ausgewiesene Fläche ausschließlich für die Ziele des Streuobstgartens zu verwenden. Die ausgefallenen Pachteinnahmen sind damit anderweitig zu finanzieren. Da die bestehenden Pachtverhältnisse allerdings erst am 31.12.2014 ausliefen, waren den vorgegeben Arbeitsvorhaben wegen der kurzen verbleibenden Zeit enge Grenzen gesetzt.

Bislang wurden folgende Arbeitsvorhaben realisiert:

  • Kinderspielgeräte und Müll entsorgt
  • Rasenkantensteine entfernt
  • Beide Nachbargrenzen mit Heckenbepflanzung versehen (Liguster- und Benjeshecke)
  • Alle Baumpflanzungen vorgenommen; insgesamt wurden siebzehn Bäume gepflanzt
  • Bäume mit Baumscheiben versehen, ohne Steinbegrenzung, mit verschiedenen Blumen bepflanzt
  • Sauerkirschbaum im vorderen und ein Pflaumenbaum im mittleren Bereich entfernt
  • Sommerschnitt bei Süßkirsche
  • Bepflanzung der Beete beidseitig des vorderen Zauns mit Rosen und Wildstauden
  • Zentrales Kräuterbeet und Schaubeet für alte Nutzpflanzen angelegt
  • Steinecke angelegt
  • Gartenlaube renoviert und ausgestattet; zur Nutzung als Vereinshütte für die Durchführung von Veranstaltungen, Festen und als Materialdepot für Werkzeuge und Geräte nutzbar
  • Brombeerhecke entfernt
  • Schautafel im vorderen Bereich aufgestellt
  • Einzelne Bäume mit Infoblättern versehen
  • Am 03.10.2014 fand im Rahmen des Hildesheimer Streuobsttages unser erstes Apfelfest statt. Zwei weitere Apfelfeste wurden in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführt

Ab 2016 entsprach die Fläche in ihrer Gestalt der ungefähren Endzielplanung.

An einmaligen Arbeiten sind noch zu bewältigen:

  • Entfernung der Süßkirsche, wenn die angrenzenden Streuobstbäume eine entsprechende Größe eingenommen haben
  • Großflächige Umgestaltung einer Fettwiese in eine Wildblumenwiese
  • Das Gewächshaus und die Kinderspielhütte sollen entfernt und der hintere Bereich sinnvoll gestaltet werden
  • Die einzelnen Bäume sollen mit dauerhaften Informationstafeln versehen werden
  • Im Jahr 2017 soll die zweite Hütte renoviert und für die Lagerung von Vereinsmaterialien (Zelte, Rasenmäher, etc.) genutzt werden

An kontinuierlichen Arbeiten liegen an:

  • Wiese zwei Mal pro Jahr mähen
  • Baumschnitt
  • Baumscheiben freihalten
  • Hecken pflegen
  • Beete pflegen
  • Plattenwege säubern
  • Durchführung öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen

Alle angefallenen Arbeiten wurden und werden ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit geleistet, wobei die Hauptarbeit bisher von den beiden Fachberatern getragen wird. Nur in Ausnahmefällen haben sich bisher andere Personen an der Projektarbeit beteiligt. Dies ist ein grundsätzliches Problem, das bisher auch nicht mit verschiedenen Aufrufen zur Arbeitsunterstützung behoben werden konnte.

Besser sieht es mit dem Begleichen der anfallenden Materialkosten aus: sie konnten durch eine Spendenkasse (Einnahmen beim Apfelfest, Spendenbeiträge, etc.) beglichen werden. Weitere Projektfördergelder konnten im Jahre 2016 durch zwei Projektanträge an den Bezirksverband der Gartenfreunde Hildesheim (Projektantrag „Wildbienen“ und Projektantrag „Themenbeete“) und einen Projektantrag an die Stadt Hildesheim eingenommen werden.

Die von der BINGO-Umweltstiftung zur Verfügung gestellten Projektgelder wurden in Anlehnung an die Vorgaben des Projektantrags für Schautafel, Heckenpflanzen, Baumschneidegeräte, Bodendünger, Apfelbäume, Obstmühle und Obstpresse verwendet. Zielsetzung dieses Förder-Projekts ist nicht nur der Aufbau eines Streuobstgartens, der vorgegebene Kriterien erfüllt (Erhalt lokaler und regionaler seltener Obstsorten, Erhöhung der Artenvielfalt in botanischer und faunistischer Hinsicht), sondern auch ausdrücklich die Einbeziehung der Öffentlichkeit im Sinne eines Bildungsauftrages (Anbringung von Schau- und Informationstafeln, Einbeziehung der Printmedien, Internetdarstellung, Durchführung von Apfelaktionen, permanenter öffentlicher Zugang des Gartens). Damit nimmt die Vernetzung mit der umgebenden Kommune und die Öffentlichkeitsarbeit im Projekt einen hohen Stellenwert ein.

Unser Kleingartenverein kooperiert zurzeit nicht nur mit der nahen Waldorfschule, sondern auch mit einer anliegenden Förderschule (Förderzentrum im Bockfeld), der Christus-Kirchengemeinde und einem Verein, der sich um gefährdete junge Menschen kümmert.

Wir sind gut im Stadtteilausschuss Moritzberg vertreten und nehmen an deren jährlichen Festveranstaltungen teil.

Weiterhin sind wir aktives Mitglied im regionalen Arbeitskreis Hildesheimer Streuobstwiesen (http://www.streuobst-hildesheim.de/) und veranstalten damit auch den jährlich Anfang Oktober stattfindenden Hildesheimer Streuobstwiesentag. Im Jahr 2014 hatten wir erstmals in unserer Anlage ein Apfelfest durchgeführt.

Projektartikel erschienen bisher in der Lokalzeitschrift „Moritz vom Berge“ (Nr. 232 Nov. 2012 und Nr. 275 Sept./Okt. 2016) und in der Niedersachsen weit erscheinenden Kleingarten-Zeitschrift „Gartenfreund“ (Nr. 12 Dez. 2014).

Sortenliste der gepflanzten Bäume; alle geplanten Bäume wurden gepflanzt: sechzehn Apfelsorten und ein Speierling.

Berlepsch Biesterfelder Renette Celler Dickstiel
Cludius Edelborsdorfer Extertaler
Goldparmäne Gravensteiner Hildesheimer Goldrenette
Hildesheimer Saftrenette Ingrid Marie Kaiser Wilhelm
Rote Sternrenette Saxtons Superb

Zwei weitere veredelte und gepflanzte Sorten konnten noch nicht eindeutig zugeordnet werden. Als Spende wurde ein Speierling gepflanzt.

 

 

Ausblick in die weitere Zukunft

In der jetzigen Form mit kleinen und ersten, fruchtenden Bäumen lässt sich noch kaum erahnen, wie der Streuobstgarten mit seinen erwachsenen und stark fruchttragenden Streuobstbäumen einmal aussehen wird. Es wird wohl noch zwanzig Jahre dauern, bis sich der Charakter einer Streuobstwiese endgültig so ausgebildet hat, wie er bei der Pflanzung ursprünglich beabsichtigt war.

Es bleibt zu hoffen, dass sich bis dahin die Ressourcen unseres Vereins für Pflegearbeiten und andere vielfältige Arbeitsmaßnahmen nie erschöpfen mögen, dass sich dieses Fleckchen zu einem gern und viel besuchten Ort des Begegnens und Verweilens entwickelt, zu einem wichtigen Eckpunkt der Identitätsstiftung und Existenzsicherung unseres Vereins.

2. Projekt Wildbienen

Im Frühjahr 2016 begannen wir unter Anleitung und Mithilfe eines örtlichen Wildbienenexperten mit der Realisierung unseres Wildbienenprojektes. Folgende Arbeiten konnten bis jetzt realisiert werden:

  • Eigenbau einer großen hölzernen überdachten Nisthilfe Anlage mit entsprechenden Nisthilfe Angeboten
  • Aufschüttung eines lehmhaltigen mit Steinen und einer Trockenmauer drapierten Sandhügels
  • Anlage mehrerer Totholzhaufen
  • Anbringung mehrerer an Stäben befestigten markhaltigen Trockenstängel, überwiegend Brombeere
  • Errichtung mehrerer von Grassoden befreiter, abgemagerter Kleinflächen zur Aussamung von Wildblumenfutterpflanzen
  • Ausbringung verschiedener Wildblumenpflanzen (z. B. Natternkopf, Rainfarn, etc.)

 

An Bildungsveranstaltungen fanden unter Führung unseres Wildbienenexperten statt:

  • Im Sommer 2016 eine Führung mit der Fachberatergruppe des BV Hildesheim im angrenzenden Friedhof
  • Am 1.10.2016 im Rahmen unseres Streuobstwiesenfestes eine Führung in unserem Projektgarten

Da das Wildbienenprojekt erst an seinem Anfang steht, sind als weitere wichtige Vorhaben geplant:

  • Anbringen von Hummelschaukästen (Bildungsaspekt für Kindergärten und Schulklassen)
  • Qualitative und quantitative Ausweitung der Wildblumenflächen und -pflanzen
  • Errichtung eines Gartenteiches (dient der Erweiterung des botanischen Angebotes an Futterpflanzen und als Wasserquelle zur Flüssigkeitsversorgung)
  • Anbringen von Informationstafeln
  • Erstes niederschwelliges Monitoring zur Bestimmung der vorhandenen Arten

Dass es durch den Verlust an Biodiversität im agrarischen, ländlichen Bereich und den verbleibenden Rückzugsgebieten an Artenvielfalt im städtischen Bereich zu Konfliktsituationen in Bezug auf Bienen kommen kann, zeigen Entwicklungen auf, wie sie vor einigen Jahren noch nicht denkbar waren. Wiederholt werden wir von städtischen Neuimkern nach Abstellmöglichkeiten ihrer Bienenvölkern in unsere Kleingärten gefragt.

Als ein Imker-Verein anfragte, in einem unserer leerstehenden Gärten einen Lehrgarten mit fünf Bienenvölkern aufzustellen, mussten wir dem schweren Herzens und mit viel internen Diskussionen über Vor- und Nachteile aus Konkurrenzgründen zu den Wildbienen eine Absage erteilen. Wildbienenschutz geht vor!

Hier sind Entwicklungen aufgezeigt, wie sie wegen der zunehmenden Attraktivität von Kleingärten als einer der letzten Horte von Biodiversität in Zukunft an Häufung zunehmen werden. Kleingartenvereine sollten sich mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und ein klare Position vertreten, wollen sie nicht von anderen Interessenvertretern funktionalisiert werden.

Was nachdenklich macht, ist die Erfahrung, wie wenig der Öffentlichkeit über Wildbienen bekannt ist und wie eingeengt die Vorstellungen über Bienen von Honigbienen besetzt sind, obwohl beide wenig miteinander zu tun haben. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig.

Literatur zur Themenvertiefung:

  • Standardwerk zur Einführung: WESTRICH, Paul: Wildbienen. Die anderen Bienen. Dr. Friedrich Pfeil Verlag. München 2015. 5.Aufl.
  • Zum Verhältnis von Wildbienen und Honigbienen: ZURBUCHEN, A./MÜLLER, A: Wildbienenschutz – Von der Wissenschaft zur Praxis.Haupt Verlag. Bern. 2012

3. Projekt Themenbeete

Bereits beim Aufbau des Eingangsbereichs unseres Streuobstgartens entstand die Idee, diese ungenutzte Fläche mit verschiedenen Beeten botanischer Themenausrichtung zu versehen. Eine themenbezogene Pflanzenauswahl ist ja in Botanischen Gärten und allen Gartenschauen ein Muss, hilft es doch, die unglaubliche Anzahl von Pflanzenarten nach einer Systematik zu strukturieren und damit Interessierten eine Orientierung zu geben. Hier findet Bildung im engsten Sinne durch Information und konkrete Veranschaulichung statt und ist ein wesentliches Element der Motivation, mit solchen Pflanzenarten selbst einmal zu experimentieren.

Warum sollte diese Art von „botanischer Bildungsarbeit“ nicht auch im Kleinen auf Kleingartenebene funktionieren? So entstand zuerst auf einer Fläche von 6,12 Quadratmeter (1,8 x 3,4 Meter) das Schaubeet „Alte vergessenen Kulturpflanzen“.

a) Schaubeet „Alte vergessene Kulturpflanzen“

Das Beet wurde mit einer selbst gezimmerten Tafel mit folgendem Informationstext versehen:

Alte vergessene Nutzpflanzen

  • Pflanzen spielen in der tierischen und menschlichen Ernährung eine zentrale Rolle, aber auch ihre Heilkräfte werden auf vielfältige Weise genutzt.
  • Auf Grund verschiedener Entwicklungen ist es zu einem massiven Verlust vieler Arten alter Nutzpflanzen und zu einer Sortenverarmung gekommen.
  • Gründe des Verschwindens liegen in der Technisierung der Landwirtschaft (intensiver Anbau großflächiger Monokulturen mit wenigen hochgezüchteten Ertragssorten, die lokale und regionale Gegebenheiten vernachlässigt) und der Monopolisierung des Saatguthandels (früher züchteten Bauern und Gärtner selbst und erzeugten ihr eigenes Saatgut, heute besteht eine Abhängigkeit von wenigen Saatgutkonzernen). Viele Arten sind auch wegen ihrer schwierigen Vermarktbarkeit ganz verschwunden. Es herrscht die Langeweile des Einheitsgemüses.
  • Es ist wichtig, die Vielfalt alter Sorten zu erhalten, nicht nur wegen der Geschmacksvielfalt, sondern weil sie meist gesünder und lokal und regional angepasster sind. Sie stellen einen wichtigen Genpool dar, deren Verlust von großem Nachteil ist.
  • Dieses Schaubeet gibt Anregungen über eine Reihe alter und meist vergessener Nutzpflanzen.

Folgende sich auf dem Schaubeet befindenden Pflanzen wurden mit individuellen kleinen Infotafeln mit Text versehen:

Haferwurz (Tragopogon porrifolius)

Familie: Korbblütler

zweijährig, 40 – 100 cm hoch

1. Jahr Wurzel, 2. Jahr Blüte (Mai – Juli)

Herkunft Mittelmeerraum

Verwendung: Blätter als Salat, Wurzel als Gemüse

Zuckerwurzel (Sium sisarum)

Familie: Doldenblütler

Staude, bis 60 cm hoch

Verwendung: Wurzel roh oder gekocht als Gemüse

Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus)

Familie: Gänsefußgewächs

Staude; bis 50 cm hoch

Verwendung: Blattgemüse; wirkt antiskorbutisch

Gartenmelde (Artiplex hortensis)

Familie: Gänsefußgewächs

einjährig; bis 200 cm hoch

Verwendung: Blattgemüse

Erdbeerspinat (Blitum capitatum)

Familie: Gänsefußgewächs

einjährig; bis 60 cm hoch

Verwendung: Blätter als Gemüse; Beeren als Obst

Kerbelrübe (Chaerophyllum bulbosum)

Familie: Doldenblütler

zweijährig; bis 50 cm hoch

Verwendung: Wurzelknolle als Gemüse; Blätter als Salat

Speisechrysantheme (Chrysanthemum coronarium)

Familie: Korbblütler

einjährig; bis 70 cm hoch

Verwendung: Blattgemüse

Einkorn (Triticum monococcum)

Familie: Süßgrasgewächse

älteste domestizierte Getreideart

einjährig; bis 100 cm hoch

Verwendung: wie andere Getreidearten

Buchweizen  (Fagopyrum esculentum)

Familie: Knöterichgewächs

einjährig; bis 100 cm hoch

Verwendung: als Pseudogetreide wie andere Getreidearten

Bauerntabak (Nicotiana rustica)

Familie: Nachtschattengewächs

einjährig; bis 120 cm hoch

Verwendung: früher in Europa als Tabak angebaut

Linse (Lens culinaris)

Familie: Hülsenfrüchtler

einjährig; bis 50 cm hoch

Verwendung: wie andere Hülsenfrüchte

Quinoa (Chenopodium quinoa)

Familie: Fuchsschwanzgewächs

einjährig; bis 150 cm

Verwendung: Blätter als Salat und Gemüse;

Samen als Pseudogetreide

Amarant (Amaranthus caudatus)

Familie: Fuchsschwanzgewächs

einjährig; bis 200 cm hoch; verschiedene Farbvariationen

(grün, rot)

Verwendung: Blätter als Gemüse; Samenkörner als Getreideart

Pastinake (Pastinaca sativa)

Familie: Doldenblütler

zweijährig; im 2. Jahr bis 150 cm hoch

Verwendung: Blätter als Salat/Gemüse;

Wurzeln als Gemüse

Sumpfziest (Stachys palustris)

Familie: Lippenblütler

Staude; bis 100 cm hoch

Verwendung: Knollen als Gemüse

Hildesheimer Stangenbohne (Phaseolus vulgaris „hildesia“)

Lokale Hildesheimer Bohnensorte

Familie: Hülsenfrüchtler

einjährig; bis 250 cm hoch

Verwendung: wie andere Bohnensorten

b) Schaubeet „Färberpflanzen“

Im Jahr 2016 haben wir ein weiteres Schaubeet zur Thematik „Färberpflanzen“ mit einer Fläche von 7,22 Quadratmeter (1,9 x 3,8 Meter).

Auch dieses Beet wurde mit einer selbst gezimmerten Info-Schautafel mit folgendem Text versehen:

  • Färberpflanzen sind Pflanzen, deren Inhaltsstoffe zum Färben genutzt werden können.
  • Früher wurde ausschließlich mit Naturfarbstoffen gefärbt (vor allem Kleidung). Das Handwerk der Färber war weit verbreitet und hatte ein hohes Ansehen. Mit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe Anfang des 19. Jahrhunderts verlor sich seine Bedeutung.
  • Im engeren Sinne können etwa 150 Pflanzenarten für die Hauptfarben blau, gelb, rot, braun und schwarz genutzt werden. Mit speziellen Verfahren lassen sich auch Farbabstufungen erzeugen.
  • Heute gibt es vor allem aus Gründen der Nachhaltigkeit eine Wiederbesinnung auf diese alten Techniken. Färberpflanzen werden dabei nicht nur zum Färben von Stoffen, sondern auch für Lebensmittel, Kosmetika und Papier verwendet.

In unserem Schaubeet finden Sie einige der für Mitteleuropa wichtigsten Färberpflanzen.

Folgende Pflanzen wurden in 2016 Jahr ausgebracht und mit kleinen Info-Tafeln versehen:

Färberdistel/-Safflor (Carthamus tinctorium)

Familie: Korbblütler

einjährig; Höhe: 60-130 cm

Herkunft: Vermutlich Kleinasien/Ägypten; ab 13 Jhd. In Mitteleuropa (Archäophyt)

Farbgebung: aus Blütenblättern rot (Farbstoff Carthamin) und gelb (Carthamidin)

Aussaat: April – Mai im Freiland

Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Staude – Familie: Korbblütler

Höhe: bis 80 cm

Herkunft: Mitteleuropa; trockene kalkhaltige Standorte

Farbgebung: sattes gelb (Luteolin)

Aussaat: Mai – Anfang Juni im Freiland; Keimtemperatur 10 – 15 Grad Celsius

Färberkrapp / Echte Färberröte (Rubia tinctorium)

Staude – Familie: Rötegewächs

Höhe: 50 – 100 cm

Herkunft: östliches Mittelmeer bis Vorderasien; (Archäophyt); wärmeliebende Standorte wie

Weinberge, Schuttplatz, Wegränder

Farbgebung: rot (Alizarin); früher wichtigste Färbepflanze

Aussaat: normales Frühjahr

Färbermeister / Färbermeier (Asperula tinctoria)

Staude – Familie: Rötegewächse

Höhe: 30 – 70 cm

Herkunft: Mitteleuropa; kalkliebende trockene Standorte; in der Natur selten und geschützt;

Farbgebung: rot bis orange (Alizarin)

Aussaat: Okt. – März Freiland

Färberscharte (Serratula tinctoria)

Staude – Familie: Korbblütler

Höhe: 30 – 100 cm

Herkunft: Nordspanien bis Sibirien; in Deutschland Neophyt; offene Wälder, Ried und Feuchtwiesen; selten;

Farbgebung: gelb (Serratulin)

Aussaat: Apr. – Sept. Freiland

Färberwaid / Deutscher Indigo (Isatis tinctoria)

Familie: Kreuzblütengewächs

Höhe: 30 – 150 cm; zweijährig (vegetative Vermehrung durch Wurzelsprossen)

Herkunft: Westasien, in Mitteleuropa (Archäophyt); trockene Standorte

Farbgebung: blau (Indigo); auch als Heilmittel vielseitig verwendbar

Aussaat: April bis Anfang September; braucht nährstoffreichen Boden

Färberwau (Reseda luteola)

Familie: Resedagewächs

Höhe: bis 150 cm; zweijährig

Herkunft: Westasien, östl. Mittelmeergebiet (Archäophyt)

Farbgebung: gelb (Luteolin)

Aussaat: ??

 Zweitrangige Färbepflanzen:

Färberginster (Genista tinctoria)

Halbstrauch – Familie: Schmetterlingsblütler

Höhe: 20 – 60 cm

Herkunft: Mitteleuropa; liebt kalkarme lehmige Böden in lichten Wäldern

Farbgebung: gelb (Luteolin und Genistein)

Färberhülse / Indigolupine (Baptisia australis)

Staude – Familie: Schmetterlingsblütler

Höhe: bis 100 cm

Herkunft: Nordamerika; liebt kalkfreie trockene sonnige Standorte

Farbgebung: blau

Blutweiderich (Lythrum salicaria)

Staude – Familie: Weiderichgewächs

Höhe: bis 200 cm

Herkunft: Mitteleuropa; feuchte Standorte

Farbgebung: rot

Frauenmantel (Alchemilla)

Staude – Familie: Rosengewächs

Höhe: bis 50 cm

Herkunft: Europa

Farbgebung: braun

Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris)

Staude – Familie: Primelgewächs

Höhe: bis 150 cm

Herkunft: Eurasien; feuchte Standorte

Farbgebung: gelb

 

Bei beiden Schaubeeten stellt sich die jährliche Herausforderung, die Nachzucht Ein- und Zweijähriger Pflanzen sicherzustellen und ihren Standort zu wechseln.

Im Jahr 2017 planen wir ein weiteres Schaubeet zur Thematik „Grünkohl“. Dieses Beet soll im ein- bis zweijährigen Wechsel Themen verschiedener attraktiver Gemüsesorten anbieten, wie sie in der kleingärtnerischen Nutzung von Interesse sind.

Dass immer wieder Besucher die Frage stellen, ob sie nicht Samen und Pflanzen für den Eigenanbau bekommen könnten, belegt ein zunehmendes Interesse an den Themenbeeten.

Mit der Anzahl von drei Themenbeeten sind allerdings Grenzen der Flächennutzung gesetzt, hat doch die Nutzung der weiteren Großflächen für das Streuobst- und Wildbienenprojekt eindeutig Vorrang.

Die Schaubeete sind in ihrer jetzigen Form im Eingangsbereich ein attraktiver Hingucker, sind als Nahrungsquelle für Wildbienen wichtig und runden das Gesamtensemble unseres Projektgartens sinnvoll ab.

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